#WirVsVirus

04.05.2020 Jonas L.

Bei dem “Hackathon” “#WirVsVirus” hat man Lösungen für die direkt und indirekt durch Corona entstandenen Probleme gesucht. Nun fand ich es interessant, mir diese Lösungen mal anzusehen.


Update: Inzwischen gibt es anstelle der Top 20 Liste eine Liste von geförderten Projekten. Weiterhin habe ich gehört, dass die Top 20 eher von der Qualität der Präsentation als von der Projektqualität abhing. Insofern können auch bessere Projekte entstanden sein.


Wie können wir als Gesellschaft die Herausforderungen, die im Zuge der Corona (Covid-19) Krise entstehen, mit neuen Lösungen gemeinsam meistern? Wie können wir einen digitalen Raum schaffen, um Lösungen zu vernetzen und auszubauen? Durch Estland inspiriert, ist die Idee zum #WirVsVirus Hackathon entstanden. Unterstützt wurde der Hackathon von der Bundesregierung und dem Digitalrat.


Bei dieser Veranstaltung sind 1500 Projekte entstanden, aber es gibt eine Liste der Top 20 Projekte. 20 Projekte kann man sich durchaus grob ansehen. Die Liste gibt es unter https://wirvsvirushackathon.org/projekte/.

Allerdings muss ich mich zuerst über die Liste aufregen. Bei den Verlinkungen dort war man nicht so genau. Zu jedem Projekt gab es ein YouTube-Video und einen “DevPost” (Post auf der gleichnamigen Seite), weil das die Voraussetzung für die Einreichung von Projekten war. Aber es gab nicht immer einen Link zu YouTube. Weil die Top 20 in einer Playlist waren konnte man das dann immer finden. Warum ich mich für die Videos interessiere? Weil man dort fast immer einen Link zum DevPost finden konnte. Ich habe mir die Videos nicht angesehen.

Dann gab es dort manchmal einen Webseiten-Link - Link ist eigentlich der falsche Begriff, wenn es per JavaScript-On-Click-Listener umgesetzt ist und daher nicht ohne JavaScript funktioniert. Manchmal gab es keinen “Webseitenlink” und wenn es einen gab hat er mal nicht funktioniert, mal die Seite im gleichen Tab und mal die Seite im neuen Tab geöffnet. Da es ja keine richtigen Links waren, waren browsereigene Funktionen zum Öffnen im neuen Tab oder kopieren der URL nicht verfügbar.

Diese Webseite hatte Google-Schriftarten, aber wie man dem Footer von https://wirvsvirushackathon.org/ entnehmen kann war Google ein Förderpartner. Wahrscheinlich stehen diese beiden Aspekte nicht einmal in einem Zusammenhang.

Dann zu den Projekten:

1. Sicher Test

Eine Online-Lösung zur Unterstützung von Corona-Tests - von der Buchung eines Tests bis zur Übermittlung der Ergebnisse.

Hierzu gab es nur einen YouTube-Link, dort einen DevPost-Link und dort einen Verweis auf www.sichertest.de. Diese Webseite hatte Drittquellen, was nicht mit meinem Verständnis von Sicherheit und Datenschutz bei Diensten, die Kontakt mit sensiblen Gesundheitsdaten haben, vereinbar ist. Bei der Webseite konnte man nur eine Demo buchen oder in Kontakt mit der Projektgruppe trete. Das sieht für mich so aus als ob das Produkt noch nicht existiert oder nicht verwendet wird. Beim Demo-Buchen wurde https://sicher-test.now.sh/ aufgerufen, was bei mir nur einen endlose Ladeanzeige zum Vorschein brachte.

2. Colivery

Hier gibt es die Seite https://colivery.de/ - wieder mit Drittquellen.

Hilfesuchende teilen ihre Einkaufslisten per Telefon oder App mit der Community. Die Helfenden machen sich dann an die Besorgung. Am Ende liefern sie den Einkauf bis vor die Haustür – möglichst ohne direkten Kontakt und mit Mindestabstand.


Es gibt ein entscheidendes Detail:

Melde dich für unseren Colivery-Newsletter an und wir schreiben dir, sobald unsere App da ist!


Wie sich noch zeigen wird sind unter den Top 20 noch einige ähnliche Projekte.

3. Print4Life

Hier hat man eine bestehende Plattform, die Auftraggeber und Auftragnehmer zusammen bringt, erweitert:

Im Rahmen des Hackathons wurden die Funktionalitäten erweitert, um:

  • die Registrierung von Makerspaces und Privatpersonen ohne Administrator zu erlauben,
  • die Auftragsstellung um Großaufträge zu erweitern,
  • die flexible Zuordnung von Auftragskontingenten zu ermöglichen,
  • die Anwendung für hohes Besucheraufkommen zu optimieren.


Hier gibt es einen Quelltext - https://github.com/FabLabLuebeckEV/Print4Life. Dort gab es in der letzten Zeit viele Commits, die von der Beschreibung her nicht direkt zu den genannten Punkten gepasst haben. Insofern habe ich mir nicht angesehen, ob und wie viel vom Versprochenen passiert ist, aber das hier sieht ganz ordentlich aus.

4. Remedy Match

Das ist eine neue gemeinnützige Spenden- und Logistikplattform mit dem Ziel, Bestand und Bedarf an medizinischen Artikeln zusammenzuführen. Hier gibt es ein großes Maß an Drittquellen, dafür aber ein scheinbar echtes Registrierungsformular.

Aktuell befindet sich unsere Lösung mitten im Aufbau und wir freuen uns über zahlreiche Spenden. Jeder Handschuh zählt!


Wer jetzt medizinische Artikel hat, die er nicht braucht und spenden möchte, erschließt sich mir nicht.

5. DEalog

Mit der Notfall-Informations- und Nachrichten-App (NINA) des Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) existiert bereits eine staatliche Infrastruktur, um die Bevölkerung vor akuten Gefahren für Leib und Leben zu bewahren - eine ansprechende und vollumfängliche kommunikative Begleitung während einer länger anhaltenden Krisenlage kann damit bisher aber nicht gewährleistet werden. Die bisherige Funktionalität ist auf den Zweck der Warnung und nicht auf eine Informationsbündelung ausgerichtet. Zudem partizipieren noch wenige Akteure an NINA.


DEalog ist ein Tool, mit dem an der Krise beteiligte Akteure Inhalte veröffentlichen können, die ein Nutzer konsumieren kann. Im Gegensatz zu einem RSS-Reader soll es hier eine verwaltete Liste von überprüften Inhaltsanbietern geben, aus denen man wählen kann.

In einer Telefonkonferenz mit dem BBK wurde uns dargelegt, dass die Warnungen, die über das Modulare Warnsystem (MoWaS) ausgelöst werden, nicht via API abgerufen werden können. Ein Abruf der Daten der NINA-App und Ergänzung um weitere Daten und Features war uns daher während des Hackathons nicht möglich.

Wir haben uns daher im Nachgang zum Gespräch mit dem BBK dazu entschieden, den Fokus darauf zu legen einen Prototyp/Click-Dummy zu entwickeln, der das enorme Potenzial aufzeigt, welches in der Erweiterung der bestehenden NINA-App mit ihren immerhin bereits 6 Mio. User:innen liegt.


Welch enormes Potential es hätte, wenn solche auf Staatskosten gebaute Apps Open Source wären? Dann hätte man bei einem Prototypen wahrscheinlich wenig Probleme gehabt, die Inhalte anzuzapfen.

Ich sehe bei der NINA-App allerdings mindestens eine weitere Baustelle:

Hinweise zu den Berechtigungen in der App:

SD-Karteninhalte lesen und ändern: Die App verfügt über einen Offline-Modus, um auch bei mangelnder Internetverbindung (nach dem erstmaligen Download) Zugriff auf die Notfalltipps und bereits vorhandene Warnungen und Informationen zu ermöglichen. Dazu ist es erforderlich, die Offline-Inhalte im Dateisystem anzulegen. Die App liest keinerlei weitere Daten von Ihrem Gerät aus.


Die App hat keinen eigenen Speicherbereich, der ohne Berechtigung genutzt werden kann? Sehr gut umgesetzt sieht die App nicht aus. Da erwarte ich keinen Verantwortlichen, der die App sinnvoll und gut erweitern lassen könnte.

Ein Problem, was das Projekt selbst genannt hat, war, dass zu wenig Einrichtungen bei NINA mitwirken. Warum sollte es bei einer neuen Lösung besser funktionieren?

Die Ziele des Projekts DEalog sind positiv zu bewerten, aber ich halte sie angesichts dieser Zustände für nicht realistisch umsetzbar.

6. Fast Border Crossing

Eine Digitalisierung von Grenzkontrollen - positiv anzumerken ist dass die Webseite und die App (Inhalte von Subdomains) keine Drittquellen enthielten und ordentlich aussehen. Das positive Bild wird allerdings dadurch gestört, dass die Webseite mittels Amazon Web Services ausgeliefert wird.

Die Digitalisierung soll dadurch erfolgen, dass man alle erforderlichen Angaben im voraus tätigt und dann nur ein Barcode eingescannt werden muss.

Als Problem sehe ich, dass so etwas wahrscheinlich nicht eingesetzt werden wird.

7. I.R.I.S.

Hierzu gibt es keine Webseite, aber einen Quelltext unter https://github.com/larsmathuseck/doc-connect. Dort gab es nur zwei Tage lang Aktivitäten. Hier will man folgendes Problem lösen:

Es gibt kein zusammenhängendes System zur sofortigen Verteilung relevanter Neuigkeiten an alle Menschen im Gesundheitssystem. Es dauert oft mehrere Tage, bis eine relevante Information wie z.B. ein neues bestätigtes Symptom alle Heilberufler erreicht hat. Oft geschieht das sogar über die Publikumsmedien und die Validierung obliegt damit jedem einzelnen – ein untragbarer Zustand, finden wir.


Hier liegt also ein organisatorisches Problem vor. Gelöst werden soll es dadurch, dass einerseits Informationen veröffentlicht werden können und andererseits Fragen gestellt werden können. Aber das organisatorische Problem ist scheinbar geblieben:

Uns fehlt der direkte Draht zu dem Bundesgesundheitsministerium, den Landesärztekammern und anderen relevanten Einrichtungen


Einen kleineren Erfolg gab es dabei:

Uns ist es bereits gelungen in Zusammenarbeit mit der NGDA einen Weg zu finden um innerhalb ca. 2 Wochen ein System aufzusetzen, mit dem sich dann alle Apotheker und PTAs für die App verifizieren können.


Als aktuelles dazu habe ich https://www.invidio.us/watch?v=PlA6NcRWju4 gefunden. Darin ging es aber nur um das Projekt und das Verifikations-Problem.

Es ist mir unklar, ob das nun verwendet werden wird, aber es scheint noch irgendwie zu leben.

8. Small Business Hero

Webseite mit Drittquellen, aber es scheint zu funktionieren. Hier sollen lokale Läden sich online präsentieren können. Eine Suche nach “Halle” liefert Ergebnisse, aber keiner der Läden ist in Halle. Daher vermute ich, dass es sich nicht wirklich etabliert hat, was bei neuen Angeboten ohne großen Marktanteil auch kein Wunder ist.

9. JAY

Eine Arbeitsvermittlung. Eine Besonderheit soll ein integrierter Chat sein, der eine schnelle und unkomplizierte Kommunikation ermöglichen soll. Über einen Prototypen (https://devpost.com/software/helpshare) mit Dummy-Inhalten hinaus ist es scheinbar noch nicht gekommen. Die vom Projekt reservierte Domain getjay.de liefert nur ein 403. In einer Präsentation, die sehr einladend von Discord ausgeliefert wird (https://cdn.discordapp.com/attachments/466566253096599563/691345421502513302/JAY_-_Jobs_Around_You_Pitch_Presentation.pdf) steht “In Krisenzeiten sehen wir komplett von der Erhebung der Servicegebühr ab”. Gibt es nicht schon genug Arbeitsplatzvermittler?

10. IDA

Ein Tool zur Kommunikation von Behörden und deutschen im Ausland. Und ich dachte schon IDA wäre ein Reverse Engineering-Werkzeug. Hierzu gibt es einen “DevPost”, der scheinbar inzwischen gelöscht wurde (es gibt nur eine Anmeldeseite). Ich nehme an, das das Projekt tot ist. Das Problem bei deutschen Behörden und der Digitialisierung ist wahrscheinlich nicht, dass es keine geeignete Technik gibt. Dieses Projekt sieht aber nach neuer Technik dafür aus.

11. Digitales Wartezimmer

Hier gibt es die nicht direkt verlinkte Seite https://digitales-wartezimmer.org/de und dort gibt es einen Verweis auf https://gitlab.com/digitales-wartezimmer. Dort gibt es beim Frontend immer noch Commits. Mehr als ein Formular für die Erfassung von Kontaktpersonen von Corona-erkrankten, was zukünftig zur Weitergabe der Daten an das entsprechende Gesundheitsamt dienen soll, einen Text über das Projekt und eine Liste der Mitwirkenden gibt es nicht. Zumindest auf GitLab sind unter https://gitlab.com/digitales-wartezimmer/frontend/-/commits/master noch Aktivitäten sichtbar, auch wenn das überwiegend die Gestaltung der Webseite und Übersetzungen betrifft.

12. Open Logistics

OpenLogistics.net soll eine freie Transport & Logistik Web-Plattform sein, über die Unternehmen und Institutionen unkompliziert Daten bereitstellen und austauschen können bezüglich Ihrer aktuellen Leistungsfähigkeit, Waren anzunehmen oder diese auszuliefern (z.B. Verfügbarkeiten, Einschränkungen, Anlieferzeitfenster, usw.) .


Die Seite https://openlogistics.net/ leidet unter Drittquellen. Ob und wie intensiv es genutzt wird kann man leider nicht feststellen - lt. https://twitter.com/OpenLogistics/status/1244333112739364864 wird es genutzt, aber das ist eine Selbstdarstellung des Projekts.

13. CoroNav

Ein Online-Fragebogen, mit dem man das eigene Infektionsrisiko erfährt - mit Google-Schriftarten. Muss Google unbedingt wissen, wenn jemand bedenken hat, sich angesteckt zu haben? Nun etwas Positives: Wenn man https://github.com/JohannesLamberts/coronav/commits/master betrachtet, wird es scheinbar noch weiterentwickelt.

Was wir jetzt brauchen ist die Unterstützung von Institutionen wie dem RKI, dem Bundesgesundheitsministerium oder dem Deutschen Städte- und Gemeindebund. Sie können mit Ihrem Gütesiegel helfen, dass die Menschen unserer Webseite vertrauen und sie schneller Verbreitung findet.


Einen Teil des Textes unter der Überschrift “Innovationskraft” hat mich amüsiert:

Hier setzen wir auf die geschickte Kombination bewährter Softwareentwicklung, wie z.B. die Einbindung von Content Management Systemen, gekoppelt mit dem Einsatz modernster Webtechnologien (Vue.js, Nuxt.js, Netlify).


Eine Einbindung von einem Content Managment System ist eine bewährte Softwareentwicklungsmethode? Netlify ist ein Hosting-Dienstleister aus San Francisco (USA). Wenn man nach der IP-Adresse geht werden die Seiten, die über Netlify gehostet werden (wie z.B. coronav) und die Seite von Netlify selbst von DigitalOcean (USA) ausgeliefert. Dabei ist das soweit ich es verstehe nur eine statische Seite mit clientseitigem JavaScript. Daher eine innovative Idee: Man nutzt einen deutschen Webhoster und liefert die Seite von dort aus aus. Aber wenn Google-Schriftarten verwendet werden ist das viel zu modern. Vue.js ist ein Hilfsmittel zum Bauen von clientseitigen Anwendungen mittels JavaScript. Nuxt.js ist eine Hülle um Vue.js und wenn man https://github.com/JohannesLamberts/coronav/blob/master/nuxt.config.js betrachtet wird es als Bundler eingesetzt. (Ein Bundler nimmt die vielen Skriptdateien und macht daraus ein großes Skript und minifiziert es ggf.). Diese Formulierung klingt also besonders interessant und innovativ, solange man sie nicht versteht.

14. Call vs. Corona

Soweit ich es verstanden habe eine Telefonnummer, bei der man anrufen kann, um dann etwas über Corona zu hören.

Was hat uns inspiriert? Laut WHO gibt es auf dem afrikanischen Kontinent noch unter 500 Infektionen mit dem Coronavirus (Stand: 19.3.2020). Damit sich die Menschen dort schützen können, müssen wir dringend agieren. Die Herausforderung also lautet: wie können wir möglichst viele Menschen möglichst schnell und direkt mit Gesundheitsinformationen erreichen? Anders als in entwickelten Ländern haben auf dem afrikanischen Kontinent noch immer viele Menschen kein Internet, besonders in ländlichen Gebieten. Alphabetisierungsraten sind niedrig, und oft wird nur in der lokalen bzw. Stammessprache kommuniziert. Zudem ist die Versorgung mit verlässlichen Informationen über Medien wie Radio und TV nicht überall gewährleistet.


Ein Problem, das ich dabei sehe: Wenn die Versorgung mit Informationen über die Medien nicht gut funktioniert, woher soll man dann so eine Telefonnummer kennen? Und warum sollte man so einer Telefonnummer mehr vertrauen entgegenbringen als den etablierten Medien?

Wirklich einsetzbar ist es auch noch nicht:

Die größte Herausforderung war es, innerhalb der vorgegebenen Zeit ein Minimum Viable Product herzustellen. Daher haben wir es bisher nur auf Englisch und beispielhaft auf Deutsch eingesprochen und inhaltlich der präventiven Information angepasst.


15. UDO

Das alles übernimmt UDO, unser neu entwickelter Chatbot. Am 20.03.2020 geboren, stellt er dir ganz einfache Fragen, überprüft alle Eingaben auf eventuelle Unvereinbarkeit mit dem Kurzarbeitergeld. Danach füllt er das Formular zur Anzeige von Kurzarbeit für die Bundesagentur für Arbeit für dich aus und sagt dir, was du mit diesem Formular machen musst.


Den Begriff Chatbot finde ich unpassend, ich würde es eher als einen Assistenten bezeichnen. ich habe es getestet und Unsinn eingegeben - sehr viele Fragen und am Ende steht ein ausgefülltes Antragsformular, dass man herunterladen kann. Ich habe ein solches Formular nicht ausfüllen müssen - wie viel oder wenig dieses Werkzeug hilft kann ich daher nicht einschätzen.

Zur Technik kann ich mich etwas positiv äußern - keine Drittquellen und ein Hosting in Deutschland bei Hetzner. Zwar gibt es eine Analytics-Lösung, aber die wird selbst/ bei Hetzner gehostet. Allerdings braucht der Assistent JavaScript und am Ende wird alles an den Server gesendet, damit dort die PDF zusammengesetzt wird.

16. meinegemeinde.digital

meinegemeinde.digital ist eine digitale Gemeindeplattform, in der Gläubige den sozialen Kontakt in ihrer Gemeinde aufrecht erhalten können.


Das ist schön unkonkret, aber es gibt eine bessere Beschreibung:

Für welche Inhalte ist unsere Anwendung geplant? - Aktuell können Inhalte in Textform, als Bilder- und PDF-Dateien dargestellt werden. Das können beispielsweise gemeindeindividuelle Informationen, geistlicher Input oder ein gemeindeweites Seelsorgeangebot sein.


Das klingt wie ein langweiliger Webserver. Aber man kann es ja mit anderen ungeeigneten Techniken vergleichen:

Was ist der Vorteil gegenüber einem E-Mail-Verteiler oder WhatsApp-Gruppen? - Die Inhalte können auf einer Plattform individuell in einzelne Bereiche kategorisiert und minutengenau hinzugefügt werden. Der Zeitpunkt kann auch in der Zukunft liegen, womit Beiträge schon Tage im voraus erstellt und trotzdem punktgenau veröffentlicht werden können. Gemeindeleiter:innen gehen nicht nur Spam-Filtern aus dem Weg, sondern können ihre Mitglieder auch häufiger informieren ohne Andere mit einer Mail-Flut oder vielen unterschiedlichen Gruppen und Verteilern zu überlasten.


Das Beste kommt aber noch:

Welche Kosten erwarten meine Gemeinde? - In der Testphase kostet die Plattform 19,50 € pro Gemeinde und Monat. Auf die Nutzer kommen keine weiteren Kosten hinzu.


Ich gehöre keiner Religion an und störe mich nicht so sehr daran, wenn die Kirche für so etwas Geld bezahlt. Dennoch sieht es nach einer wirtschaftlich guten Idee bzw. einem überteuerten Webhosting aus.

Und natürlich hat die Seite Drittquellen, aber auch zu dem Thema steht etwas in den FAQs:

Wie ist der Datenschutz sichergestellt? - Alle von uns erhobenen Daten werden nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verarbeitet und gespeichert. Sämtliche Software, die wir benutzen, unterliegt den aktuellen Bestimmungen der DSGVO, ISO 27001, ISO 27017, ISO 27018, Privacy Shield und weiteren Sicherheitsprotokollen. Dies betrifft selbstverständlich auch den Newsletter. Unsere Webauftritte sind alle SSL/TLS-zertifiziert. [...]


Wenn man SSL/TLS-zertifiziert schreibt, dann hat man wahrscheinlich nicht verstanden, was TLS überhaupt ist. Die Auflistung ist auch interessant - ich wusste noch nicht das die DSGVO ein Sicherheitsprotokoll ist. Ich dachte es wäre die Datenschutzgrundverordnung. Und wie kann eine Software den Bestimmungen vom Privacy Shield unterliegen? Ich dachte das gäbe es nur für US-Dienstleister und nicht für Programme. Insgesamt aber eine schöne Formulierung, um unwissenden Verantwortlichen glaubhaft zu machen, das alles dabei perfekt in Ordnung ist.

17. Videobesuch

Videobesuch.de hilft Bewohnern in Pflegeeinrichtungen, per Video-Chat Ihre Liebsten zu sehen.


Das erfolgt mit einer Online-Reservierung von Zeitslots, zu denen man ein Videotelefonat mit einer Gegenstelle führen kann, die sich im Pflegeheim in einem allen zugänglichen Raum befindet.

An Drittquellen mangelt es nicht und scheinbar wird als Backend Googles Firebase verwendet.

Zumindest kann man glauben, dass es (bald) verwendet wird:

In Zusammenarbeit mit MediaMarktSaturn und DTB Deutsche Technikberatung GmbH bieten wir 250 rundum-sorglos-Pakete für Pflegeheime an!

Pflegeheime können sich jetzt unter (URL entfernt) bewerben.

#videobesuch #socialdistancing #digitalisierung #pflegeheime


18. Wir bleiben liqui.de

Hier gibt es die Webseite https://wir-bleiben-liqui.de/. Dort steht oben rechts “wirbleibenliquide@gmail.com”. Ich würde das als unseriös einstufen und die Seite sofort verlassen. Abgesehen davon kann man durch das Beantworten einiger Fragen erfahren, von wo man Geld bekommen kann. Dabei fehlt natürlich Google Analytics nicht.

19. NEXD (Zusammenschluss WirFuerUns & NEXD)

https://www.nexd.app/ ähnelt Colivery. Dank YouTube-Video in der Seite gibt es Drittquellen. Auch hier gibt es das entscheidende Detail:

Jeder kann Erledigungen über nexd aufgeben oder ausführen. Jetzt registrieren und bald einer der ersten Nutzer sein!


20. Machbarschaft

Klingt grundlegend wie das vorherige. Anders ist, dass es für ältere Nutzer zugänglich sein soll per Telefonnummer, Spracherkennung und KI. Die Webseite https://machbarschaft.jetzt/ leidet unter Drittquellen. Wieder das gleiche Phänomen:

Bleib informiert! - Möchtest Du darüber informiert werden, wenn unsere App verfügbar ist oder es andere Neuigkeiten gibt?


Zumindest gibt es unter https://github.com/machbarschaft sichtbare Aktivitäten. Laut https://github.com/machbarschaft/machbarschaft-firebase#firebase-firestore kommen Google Firebase und Twilio zum Einsatz.


Viele Ideen, teilweise Duplikate bzw. sehr ähnliche Ideen, teilweise unrealistische Ideen und zu oft Zustände, die nach Datenschutzproblemem aussehen - und das waren die Top 20.

Wie viel dieser Spaß gekostet hat ist noch nicht bekannt.

Und dann ist da noch das “Solution Enabler Programm”, für das die Top 20 automatisch qualifiziert sind:

Der Solution Enabler ist ein Umsetzungsprogramm für Teams (ggf. Einzelpersonen) mit vielversprechenden Lösungen in Zeiten von Covid-19. Mit dem Solution Enabler unterstützen wir ab sofort 100-150 ausgewählte Teams, um Lösungen gegen die Auswirkungen von Covid-19 schnell zu testen und breitflächig umzusetzen. Das Programm erstreckt sich vorerst über einen sechsmonatigen Zeitraum. Ziel ist es aber eine schnellstmögliche Umsetzung der Lösungen.


Die Förderung erfolgt nicht finanziell, aber ich wäre bei den meisten Projekten nicht dafür, dass man sie fördert. Die Veranstaltung ist ja nun schon über einen Monat her und wirklich einsetzbar/ verfügbar ist noch nicht viel.